Skip to main content

7 % Mehrwertsteuer, aber weiterhin hoher Kostendruck: Wie entwickelt sich die deutsche Gastronomie 2026?

7 % Mehrwertsteuer, aber weiterhin hoher Kostendruck: Wie entwickelt sich die deutsche Gastronomie 2026?

22 October 2026
Kein Titel (1200 x 627 px) (2).png

Seit Anfang 2026 gilt in Deutschland wieder dauerhaft der reduzierte Mehrwertsteuersatz von 7 % auf Speisen in Restaurants und anderen gastronomischen Betrieben. Für die Branche ist die Entscheidung eine wichtige Entlastung. Nach mehreren Jahren mit steigenden Preisen, hohen Betriebskosten und verändertem Konsumverhalten schafft die steuerliche Anpassung zusätzlichen wirtschaftlichen Spielraum. 

Doch einige Monate später zeigt sich: Die niedrigere Mehrwertsteuer allein löst die wirtschaftlichen Herausforderungen der Gastronomie nicht. Aktuelle Umsatzzahlen verdeutlichen, dass zwischen nominalen Einnahmen und der tatsächlichen, preisbereinigten Entwicklung weiterhin eine deutliche Lücke besteht. 

Seit Januar 2026 gelten wieder 7 % Mehrwertsteuer auf Speisen 

Zum 1. Januar 2026 wurde der Umsatzsteuersatz für Restaurant- und Verpflegungsdienstleistungen dauerhaft von 19 auf 7 % reduziert. Die Regelung betrifft Speisen, während Getränke weiterhin grundsätzlich mit 19 % besteuert werden. 

Nach Angaben des Bundesministeriums der Finanzen sollen Gastronomie und Verbraucher durch die Maßnahme insgesamt um rund 3,6 Milliarden Euro pro Jahr entlastet werden. Quelle: Bundesministerium der Finanzen, „Das ändert sich 2026“ 

Für gastronomische Betriebe bedeutet die Änderung zunächst mehr finanziellen Spielraum. Dieser kann beispielsweise genutzt werden, um gestiegene Kosten abzufedern, notwendige Investitionen zu ermöglichen oder weitere Preisanpassungen gegenüber Gästen zu begrenzen. 

Die Entwicklung der vergangenen Monate zeigt jedoch, dass die steuerliche Entlastung auf eine Branche trifft, deren wirtschaftliches Umfeld weiterhin anspruchsvoll bleibt. 

Nominal mehr Umsatz – real weniger 

Wie unterschiedlich sich Umsatz und tatsächliche Geschäftsentwicklung darstellen können, zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes. 

Im Juli 2026 erzielte das deutsche Gastgewerbe nominal 3,0 % mehr Umsatz als im Juli des Vorjahres. Preisbereinigt lag der Umsatz jedoch 4,0 % unter dem Niveau von Juli 2025. 

In der Gastronomie selbst fällt der Unterschied noch deutlicher aus: Der nominale Umsatz lag im Juli 2026 3,1 % über dem Vorjahresmonat, während der reale, also preisbereinigte Umsatz um 4,7 % zurückging. Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), „Gastgewerbeumsatz im Juli 2026“ 

Diese Zahlen zeigen einen wichtigen Unterschied: Höhere Umsätze in Euro bedeuten nicht automatisch, dass Restaurants auch mehr verkaufen oder wirtschaftlich stärker dastehen. Preissteigerungen können dazu führen, dass nominal höhere Umsätze erzielt werden, obwohl das tatsächliche Absatzniveau zurückgeht. 

Für Betreiber wird es daher zunehmend wichtiger, nicht nur den Umsatz zu betrachten, sondern auch Warenkosten, Personalkosten, Betriebskosten und die tatsächliche Marge im Blick zu behalten. 

Warum die 7 % nicht automatisch zu niedrigeren Preisen führen 

Auf den ersten Blick könnte die niedrigere Mehrwertsteuer die Erwartung wecken, dass auch die Preise auf Speisekarten sinken. In der Praxis ist die Situation jedoch komplexer. 

Restaurants müssen zahlreiche Kostenpositionen gleichzeitig berücksichtigen: Personal, Lebensmittel, Energie, Miete, Logistik, Versicherungen, Dienstleistungen und Investitionen in den Betrieb. 

Die Mehrwertsteuersenkung kann daher vielmehr als wirtschaftlicher Puffer wirken. Ein Betrieb kann die zusätzliche Marge beispielsweise dafür nutzen, gestiegene Kosten auszugleichen, notwendige Investitionen vorzunehmen oder weitere Preiserhöhungen gegenüber Gästen zu vermeiden. 

Wie dieser Spielraum eingesetzt wird, hängt stark vom jeweiligen Geschäftsmodell und der individuellen Kostenstruktur ab. 

Kostenkontrolle wird wichtiger als reine Preissteigerungen 

Für viele Betriebe stellt sich 2026 deshalb weniger die Frage, ob Preise pauschal erhöht werden können, sondern vielmehr, an welchen Stellen sich Kosten gezielter steuern lassen. 

Gerade der Einkauf spielt dabei eine wichtige Rolle. Statt ausschließlich auf den Preis eines einzelnen Produktes zu schauen, rücken zunehmend die gesamten Beschaffungskosten in den Fokus. 

Dazu gehören beispielsweise: 

  • Preisentwicklungen einzelner Warengruppen regelmäßig zu überprüfen,
  • Bestellmengen und Lieferintervalle an den tatsächlichen Bedarf anzupassen,
  • Alternativprodukte und saisonale Angebote zu berücksichtigen,
  • Lieferkonditionen und Vertragsstrukturen zu analysieren,
  • Lebensmittelverschwendung zu reduzieren,
  • sowie Einkaufs- und Verbrauchsdaten stärker miteinander zu verknüpfen. 

 

Gerade bei schwankenden Märkten kann eine flexible Einkaufsstrategie dazu beitragen, Kostensteigerungen früher zu erkennen und schneller darauf zu reagieren. 

Auch das Konsumverhalten bleibt ein wichtiger Faktor 

Neben den Kosten auf Unternehmensseite spielt 2026 weiterhin die Nachfrage eine entscheidende Rolle. 

Restaurantbesuche stehen für Verbraucher im Wettbewerb mit zahlreichen anderen Ausgaben. Gleichzeitig haben Gäste in den vergangenen Jahren deutliche Preissteigerungen in der Gastronomie erlebt. Dadurch gewinnt ein klar wahrnehmbares Preis-Leistungs-Verhältnis weiter an Bedeutung. 

Für Betriebe entsteht daraus ein Balanceakt: Die eigenen Kosten müssen gedeckt werden, ohne Preise so stark anzuheben, dass die Nachfrage darunter leidet. 

Das macht eine präzise Kalkulation umso wichtiger. Nicht jedes Gericht, jede Warengruppe oder jede Leistung trägt im gleichen Maße zur Profitabilität bei. Wer seine Kostenstruktur genau kennt, kann gezielter entscheiden, wo Preisanpassungen notwendig sind und wo Optimierungspotenzial besteht. 

Was bedeutet das für die Gastronomie im weiteren Jahresverlauf? 

Die dauerhafte Reduzierung der Mehrwertsteuer auf Speisen verbessert grundsätzlich die Rahmenbedingungen für gastronomische Betriebe. Sie nimmt jedoch nicht automatisch den wirtschaftlichen Druck aus dem Markt. 

Die jüngsten Zahlen von Destatis zeigen dieses Spannungsfeld deutlich: Während der nominale Gastronomieumsatz im Juli 2026 gegenüber dem Vorjahr gestiegen ist, liegt die preisbereinigte Entwicklung weiterhin im Minus. Quelle: Statistisches Bundesamt (Destatis), September 2026 

Für Restaurants, Hotels und Cateringunternehmen dürfte daher auch in den kommenden Monaten entscheidend sein, wie gut es gelingt, mehrere Faktoren gleichzeitig zu steuern: Einkaufskosten, Personaleinsatz, Menü- und Angebotsgestaltung, Preisstrategie und betriebliche Prozesse. 

Die 7 % Mehrwertsteuer schaffen hierfür zusätzlichen Spielraum. Wie groß der wirtschaftliche Effekt für einen einzelnen Betrieb tatsächlich ausfällt, hängt jedoch davon ab, wie effizient dieser Spielraum genutzt wird. 

Kosten im Blick behalten – mit einer starken Einkaufsstrategie 

Gerade in einem weiterhin herausfordernden Marktumfeld wird ein transparenter und strategischer Einkauf immer wichtiger. Entegra unterstützt Hotels, Restaurants und weitere Hospitality-Unternehmen dabei, Einkaufspotenziale zu erkennen, Beschaffungsprozesse zu optimieren und ihre Kosten langfristig besser zu steuern. 

Sie möchten erfahren, welche Einsparpotenziale in Ihrem Einkauf liegen? Sprechen Sie mit dem Entegra-Team und lassen Sie Ihre aktuelle Einkaufsstruktur unverbindlich prüfen. 

Um sich Beratung einzuholen kontaktieren Sie uns

Fazit 

Die Rückkehr zum reduzierten Mehrwertsteuersatz ist für die deutsche Gastronomie eine spürbare Entlastung. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums beläuft sich das Entlastungsvolumen auf rund 3,6 Milliarden Euro jährlich. Quelle: Bundesministerium der Finanzen, 2026 

Gleichzeitig zeigen die aktuellen Umsatzzahlen, dass die Branche wirtschaftlich weiterhin vor Herausforderungen steht. 

2026 bleibt damit ein Jahr, in dem nicht allein Umsatzwachstum zählt. Entscheidend ist zunehmend, was nach Abzug der tatsächlichen Kosten übrig bleibt. Für gastronomische Unternehmen gewinnen deshalb transparente Kostenstrukturen, datenbasierte Einkaufsentscheidungen und eine kontinuierliche Überprüfung der eigenen Wirtschaftlichkeit weiter an Bedeutung.